Seit vielen Monaten verfolgt man Diskussionen über den Bau von Moscheen in Europa in den Medien. Mein Eindruck, der sich dabei immer mehr verfestigt, ist jener der Verteidigung von Positionen. Stellungnahmen zu einzelnen Begriffen wie Islamophobie werden wesentlich wichtiger erachtet als der einzelne Mensch, der oder die eine Kirche zur Ausübung der Religion besuchen möchte. Der Bau eines Gotteshauses wird vielmehr politisch als religiös wahrgenommen.
Das Gesetz über den Bau und Erhalt von Kirchen anderer Religionsgemeinschaften als den Islam wurde in der Türkei (lt.mündlicher Auskunft) geändert. Das neue Gesetz ermöglicht den christlichen und jüdischen Gemeinden den Bau von Gotteshäusern, indem sie als nichtislamische religiöse Gemeinschaften Grundbesitz erwerben dürfen. Die Entwicklung dieses Gesetz und vor allem die praktische Auswirkung gilt es in den nächsten Jahren Schritt für Schritt zu beobachten.
In ähnlicher Weise muss die öffentliche Diskussion um den Bau von Moscheen in Europa betrachtet werden. Welche Bedeutung haben die Grund- und Freiheitsrechte für die Wähler europäischer Demokratien. Ähnlich der Informationsfreiheit existiert auch das Recht zur freien Ausübung der Religion.
Für einen gläubigen Menschen bedeutet der Besitz und Erhalt eines seiner Rituale entsprechenden Gotteshauses, dies zu achten und zu ehren, gleichzeitig ergeht das Signal an die Gesellschaft sich entsprechend zu verhalten. Anerkennung und eine gemeinsame Verantwortung sind darin enthalten. Mit Sicherheit stellt es die Achtung und den Respekt der Religion in der Öffentlichkeit dar, es ist offen gelebter Glaube, wie es die Demokratie fordert. In dieser Offenheit können Dialoge auf gleicher Augenhöhe geführt werden.
Der Besuch einer katholischen Messe in Istanbul in einer meiner Lieblingskirchen, Kariye Muezesi die in ein Museum umgestaltet wurde, wäre schön. Und was würde einer gläubigen Muslimin der Besuch einer Moschee in der Nähe ihrer Wohngegend bedeuten?
Ein Haus Gottes ist neben der eigentlichen Aufgabe zur Abhaltung von Ritualen und Gebeten ein kulturelles Symbol, häufig ein Kunstwerk und jede Religion offenbart eine Vielzahl von Schätzen an Gotteshäusern.
Häuser Gottes regen die Gemüter an und auf. Sie lassen Bewunderung aufkommen und provozieren. Sie schaffen einen Raum der Stille und Begegnung, sind aesthetisch und schoen.
Was würde sich ändern, wenn eine Moschee am rechten Salzachufer in der Stadt der Fürsterzbischöfe stehen würde? Und was würden muslimische und katholische Frauen tun? In der Moschee hinter dem Vorhang gemeinsam beten, in Dankbarkeit fuer den Frieden und Wohlstand der dies möglich macht.
Bis es soweit ist, werden noch viele Fragen und Antworten gestellt werden, im ORF.