globales wissen

23 03 2008

Ich würde vielleicht nicht mehr leben oder blind sein, wenn Wissen nur national, regional oder lokal von einzelnen Personen gewusst und verwendet werden würde. Die Forschung und Entwicklung in der Medizin ist global/er geworden, die MRT und die CT wurde nicht nur in einem Staat, von einer Person erfunden sondern beruht auf interdisziplinären Forschungsschritten. Und die MRT und CT hat mir großen Nutzen gebracht. Globalisierung als abstrakter Begriff wird unter anderem begreifbar, wenn einzelne Lebensbereiche auf der Basis einer zufällig ausgewählten Definition intensiver betrachtet werden.

 Eine Definition von Globalisierung lautet
 „… Intensivierng weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse am einen Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und umgekehrt …“ [Anthony Giddens, Berater von Tony Blair, Ende 1990)

 Die Forschung und Entwicklung der Computertomografie und Magnetresonanztomografie war ein weltweites soziales Netz, wohl eher zufällig geknüpft und über das Thema verbunden. Ich habe keine Ahnung ob die Entwicklung über Wettbewerb oder Kooperation zustande kam. Wahrscheinlich beides.

 aus Wikipedia:

Die Computertomographie wurde möglich durch die Nutzung des mathematischen Verfahrens, das 1917 von dem österreichischen Mathematiker Johann Radon entwickelt wurde. Damals ein rein mathematischer Erkenntnisgewinn fern jeglicher Anwendungsmöglichkeiten, bildet die Radontransformation heute die Grundlage zur Berechnung von zerstörungsfreien räumlichen Aufnahmen eines Objektes mit seinen gesamten Innenstrukturen. Nach Vorarbeiten des Physikers Allan M. Cormack in den 1960er Jahren realisierte der Elektrotechniker Godfrey Hounsfield mehrere Prototypen. Die erste CT-Aufnahme wurde 1971 an einem Menschen vorgenommen. Beide erhielten für ihre Arbeiten 1979 gemeinsam den Nobelpreis in Medizin. aus Wikipedia Die MRT wurde als bildgebende NMR ab 1973 vor allem von Paul C. Lauterbur mit wesentlichen Beiträgen von Sir Peter Mansfield entwickelt. Sie erhielten dafür 2003 gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Paul Lauterbur (USA) hatte zwei grundlegende Ideen, die eine Bildgebung auf der Grundlage der NMR erst möglich machte. Erstens gelang es ihm mit der Einführung von magnetischen Gradientenfeldern in das konventionelle NMR-Experiment, eine räumliche Zuordnung der NMR-Signale einer Probe zu erreichen. Und zweitens schlug er ein Verfahren vor, bei dem durch Rotation des ortskodierenden Magnetfeldgradienten in aufeinanderfolgenden Experimenten unterschiedliche Ortskodierungen (Projektionen) des Untersuchungsobjektes erzielt wurden, aus denen anschließend mit Hilfe der gefilterten Rückprojektion (engl., filtered backprojection) ein Abbild des Untersuchungsobjektes errechnet werden konnte. Sein 1973 publiziertes Ergebnis zeigt eine zweidimensionale Abbildung von zwei mit normalem Wasser gefüllten Röhrchen in einer Umgebung aus „schwerem“ Wasser. Für eine praktische Nutzung dieser Entdeckung waren wesentliche Beiträge von Sir Peter Mansfield (Großbritannien) mitentscheidend. Er entwickelte ab 1974 mathematische Verfahren, um die Signale schnell in Bildinformationen zu wandeln sowie Techniken zur schichtselektiven Anregung. Weiterhin führte er 1977 die Verwendung extrem schneller Gradienten für eine Hochgeschwindigkeitsmessung ein (EPI = Echo Planar Imaging). Dadurch wurde eine Bildgewinnung in deutlich unter einer Sekunde möglich („Schnappschuss-Technik“), die jedoch bis heute mit Abstrichen in der Bildqualität erkauft werden muss. Mansfield ist auch die Einführung magnetisch abgeschirmter Gradienten-Spulen zu verdanken. In seinen letzten aktiven Jahren suchte er nach Lösungen, um die erhebliche Lärmbelastung für die Patienten durch die extrem schnelle Gradientenumschaltung zu reduzieren. Weitere, für die breite klinische Nutzung der MRT wichtige Beiträge, stammen aus deutschen Forschungslaboren. In Freiburg entwickelten Jürgen Hennig und Mitarbeiter zu Anfang der 1980er Jahre eine Variante der Spin-Echo MRT, die heute unter der Abkürzung FSE als Fast Spin Echo-Sequenz bekannt ist und wegen ihrer pathologischen Sensitivität und messtechnischen Effizienz allgemein Verwendung findet. 1985 gelang Jens Frahm und Axel Haase in Göttingen mit der Erfindung des Schnellbild-Verfahrens FLASH (fast low angle shot) ein grundsätzlicher Durchbruch in der MRT. Die FLASH-Technik reduzierte die damaligen Messzeiten um bis zu zwei Größenordnungen (Faktor 100) ohne substantielle Verluste an Bildqualität. Das Verfahren ermöglicht zudem ununterbrochene, sequentielle Messungen im dynamischen Gleichgewicht sowie völlig neue klinische Untersuchungen wie beispielsweise Aufnahmen aus dem Bauchraum bei Atem-Anhalten, dynamische Aufnahmen von mit dem EKG synchronisierten Herzfilmen, dreidimensionale Aufnahmen komplexer anatomischer Strukturen, Gefäßdarstellungen mit der MR Angiografie und heute auch funktionelle Kartierungen des Kortex mit besonders hoher Auflösung. Damit war ab Mitte der 1980er Jahre der Weg frei für eine breite Anwendung der MRT in der medizinischen Diagnostik. Umstritten ist der Beitrag von Raymond Damadian (USA), der 1974 ein US-Patent zur Anwendung der NMR für die Krebsdiagnostik angemeldet hat. Das Patent beschrieb allerdings keine Methode zur Bildgebung, sondern nur eine Punktmessung. Dennoch erstritt Damadian mit einem anderen Patent (Mehrschicht-Mehrwinkel-Messungen, z.B. für MRT-Untersuchungen der Wirbelsäule) über 100 Millionen US-Dollar von den verschiedenen MRT-Herstellern. Sein ursprünglicher NMR-Scanner, der keine Bilder erzeugte, wurde klinisch nie eingesetzt, und auch seine Krebsnachweismethode ist nicht frei von Zweifeln. Sie beruht auf Differenzen in den NMR-Relaxationszeiten von gesundem Gewebe und Tumor-Gewebe. Diese von Damadian bereits 1971 publizierte Beobachtung musste allerdings später relativiert werden, da die Unterschiede nicht durchgehend zutreffen. Damadian wurde an der Vergabe des Nobelpreises für die bildgebende NMR (MRT, engl. MRI) nicht beteiligt, worauf er öffentlich heftig protestierte. Eine Operation auf der Basis bildgebender Verfahren: endoskopisch endonasal, transphenoidal Operation von Hypophysenadenom: Conclusions The history of the endoscope is an example of how technical advancements have influenced medicine. The relatively recent technical improvements led to its introduction in the everyday practice of many different specialties. Its use in endonasal skull base neurosurgery appears to hold promise but will need to pass the test of time. As stated by Harvey Cushing[22] at the very beginning of the history of transsphenoidal surgery in 1912, interdisciplinary work is proving once again to be a major component in its development. To quote Cushing, „The performance becomes progressively simplified by the combined suggestion and experience of many.“





Neue globale Geste

16 03 2008

Globale Geste

Ein neuer globaler Smile :roll:

Er bedeutet Glueck fuer jene, die in den Fluss fallen und sich beim Ertrinken wohl fuehlen.





Grenzen des guten Geschmacks

16 03 2008

Wolfgang Schüssel, Vorgänger vonAlfred Gusenbauer als Bundeskanzler in Österreich verwendet die Aussage in seinem Vortrag auf die Frage:

Wie gehen Demokratien mit Diktaturen um und wie reagieren Politiker auf abfällige Äusserungen über Symbole und Personen von Religionsgemeinschaften?

Seine Antwort lautete:
„Das Spotten und die Abwertung über Karikaturen von Bildern und Personen, die anderen heilig sind, sei nicht akzeptabel. Er hätte seinerzeit das Buch mit „Jesus Karikaturen“ von Hader zwar künstlerisch ansprechend jedoch geschmacklos empfunden und dasselbe denke er über die Karikaturen des Propheten Mohammed. Weiters seien abfällige Äusserungen zu religiösen Symbolen und Pesonen eine klare Übertretung der Grenze des guten Geschmacks.“

Auf meine Zusatzfrage, wie nun Demokratien mit der Informationsfreiheit umgehen, meinte er,

„das sei wiederum ein Aspekt der Religionsfreiheit, den es zu achten gelte. Und dies gelte auch für Menschen, die keiner Religion angehören.“

Mein Problem bestand lange Zeit darin, eine demokratische Definition von „guten Geschmack“ erarbeiten zu wollen und Regeln für das Einfordern  festzulegen. Gäbe es solche Regeln, wäre  Händeschütteln mit einem Diktator, politische Freundschaft mit einem autoritären Regimevertreter wohl Überschreitung des guten Geschmacks. Ob dieser dann auch geahndet werden kann, bliebe offen.

Ein virtuelles Gespräch führte mich zu dem Punkt, dass eine Festlegung universellen guten Geschmacks aufgrund unterschiedlicher moralischer Standpunkte nicht möglich sind. Wie können wir in einer Demokratie, die von Menschen bewohnt wird, deren ethisches Handeln aus unterschiedlichen moralischen Standpunkten her geleitet wird, guten Geschmack einfordern?

Wo ist diese Grenze  in heutigen Demokratien die als Ansammlung von Individualisten keinen einheitlichen Geschmack bzw. Grundkonsens über Moral kennen. Wer darf in diesen Gesellschaften die Norm festlegen und einfordern und deren Übertretung sanktionieren?

Grund- und Freiheitsrechte stehen auch in Widerspruch zueinander. Der Konsens zur Rechtsdiskussion wäre der demokratische Dialog. Doch wo findet er statt? In den Bundes- und Landesparlamenten, in Gemeindesitzungen, politischen Fraktionen oder im Alltag? Zu welchem Zeitpunkt formulieren Bürger ihre Haltung und Einstellung zu demokratischen Rechten und zur Sanktionierung bei Überschreitung dieser. Seit vielen Jahren kann ich feststellen, dass diese Dialog zunehmend den siamesischen Zwillingen „Medien und Politiker“ überlassen wird. Unglücklicherweise begehen eben diese beiden Gruppierungen auf der Suche nach Stimmen und Quoten andauernd Grenzüberschreitungen. Danach moralisieren sie sich selbst zurecht und versuchen gemeinschaftlich dem Bürger klar zu machen, dass er in erster Linie das Problem der mangelnden Moral hätte.

In Wohlstandsdemokratien ist dies noch ein geringes Problem, da bekanntlich der Mangel an Ressourcen Konflikte gebiert. In Mediendemokratien verschärft sich die Situation, weil durch die öffentliche Meinung die Rechtssetzung beeinflusst wird und dabei Menschengruppen zu mehr oder weniger Wohlstand gelangen können. Diese Ungleichverteilung fördert wiederum soziale Spannungen  und erhöht die Bereitschaft zur Polarisierung. Ein Konflikt schaukelt sich auf, Sprache wird in der Öffentlichkeit schrittweise härter oder verschleiernder, Stereotypen werden von Journalisten zu moralischen Do`s and Dont´s gemacht. Das Gefühl für den sogenannten guten Geschmack wird verlagert oder geht gänzlich verloren. Plötzlich ist es guter Geschmack jemandem auszugrenzen. Durch die Justiz, durch Mobbing oder durch falsche Berichterstattung. Und hier muss die Demokratie beginnen, einzugreifen und die Grenzen des guten Geschmacks, eben auch jener der öffentlichen Meinung definieren.





Nähe und Distanz in der globalisierten Welt

8 03 2008

Uwe Sander, Soziologe und Autor von „Die Bindung der Unverbindlichkeit“ schreibt in seinem Kommentar in der Wienerin über den Mythos der sogenannten heilen Welt unserer Ahnen und verweist diesen Mythos in das Reich der Legenden. Dieses psychologische Gespinst entspräche nicht den historischen Tatsachen.

Die Menschen waren in ihrer Denk- und Handlungsfähigkeit durch tradierte Rollen stark eingeschränkt, was zwar soziale Sicherheit aber wenig Freiraum bedeutet hätte. Diese Entwicklung kann ich nach einem bisherigen beinahe fünfzigjährigem Leben bereits bestätigen. Die Rolle der Frau, welche in meiner Kindheit bestimmend war, würde ich mir nicht herbei wünschen.
Neue Freiheit
Heutzutage lösen sich milieuverhaftete Beziehungsstrukturen zunehmend auf, dadurch erweitert sich unser Rahmen an Möglichkeiten. Ein enormer Gewinn und gleichzeitig die grösste Herausforderung. Anderen Menschen, Nachbarn, Kolleg/innen und Bekannten ist nicht wichtig, welche Überzeugungen ich lebe und wer meine Freunde sind. Ein Mann und eine Frau können sich ohne Rücksicht auf ihren Status oder Herkunft kennenlernen, die Auflösung der Zugehörigkeiten sowie der Geschlechterrollen machen dies möglich. Die Anonymität schützt die Sphäre.

Neue Nähe
Die häufig beklagte Distanz macht den Umgang mit anderen Kulturen erst möglich. Zum pakistanischen Internetcafebetreiber mit den niedrigsten Preisen und zur persischen Verkäuferin, welche die besten Kirschmarmeladen kennt. Mit der rumänischen Friseurin den Alltag besprechen, während sie an den Haaren werkt, ist möglich, ohne über Islam, Terrorismus und Toleranz zu diskutieren. Säkulare Gemeinschaften ermöglichen durch geringere Nähe und Distanz hinsichtlich Religion freundliches Nebeneinander leben.

Bestimmte Formen von Nähe sind eben nur möglich wenn Anonymität herrscht. Diese Form der Globalisierung stellt hohe Ansprüche an private Beziehungen. Mit beachtlicher sozialer und kommunikativer Leistung werden Freundschaften, Partnerschaften, Familien und Ehen über Distanz aufrecht erhalten.

Die Psychologin Charlotte Hetzer meint, dass Nähe in der postmodernen Gesellschaft nicht verloren gegangen ist. Sie konstituiert sich anders. Eben nicht nur durch  physische Anwesenheit sondern über Kommunikation auf Entfernung. Ort und Zeit sind keine einschränkenden Rahmenbedingungen für das Miteinander.





Langsamste Fussballmannschaft der Welt

3 03 2008

„Harald Martenstein schüttelt den Kopf über die langsamste Fussballmannschaft der Welt!“ konnte man Ende Dezember im Zeit Magazin Leben lesen.  Neuerdings werden glücklicherweise nicht nur die Schnellsten sondern auch die Langsamsten im Fussball hervorgehoben, ein neues Zeitalter des Messens hat begonnen.

In der Einleitung schreibt Martenstein, nichts gegen die Österreicher haben zu dürfen, da er doch seit vielen Jahren in Österreich Ski fahre. Ein weiterer Grund für den Respekt gegenüber Österreich wäre jener, gegenüber einer reichen Nation mit reicher Kultur. Spätestens hier muss jede gelernte Österreicherin oder Österreicher aufmerksam werden. Denn normalerweise folgt auf derartig fadenscheiniges Lob Kritik und die nächsten Zeilen bringen Licht in die Sache:

„Warum ist Österreich so schlecht im Fussball?“

Nun ist es raus, und wird einige Zeilen wiederholt bestätigt.  Österreich hat die langsamsten Fussballer der Welt, weiß Martenstein zu berichten.

Über das Tempo der nationalen  österreichischen Fussballer habe ich noch nie nachgedacht, ehrlich. Über die Worte von Martenstein muss ich nachdenken und mich dabei fragen: Sind sie rassistisch oder national gefärbt?“ ; wenn er folgendes schreibt:

Jetzt muss man sich nur mal vorstellen, jemand würde behaupten, dass gelbe oder schwarze Menschen zu irgendetwas ungeeignet sind, meinetwegen zum Schachspielen, wegen ihrer ´Mentalität`. Das gäbe sofort eine Rassismusdiskussion von kosmischen Ausmaß. Die Österreicher sind das erste Volk der Erde, das gegen sich selber rassistische Beschuldigungen ausstößt, nur aus Bequemlichkeit, nur damit sie sich beim Fussball nicht schneller bewegen müssen.“ (aus Zeit Magazin Leben vom Dezember 2007)

Was hatte der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft gesagt, dass Martenstein veranlasste, die Österreicher als Rasse zusammen zu fassen und die Aussage eines Nationaltrainers allen Österreicherinnen und Österreichern umzuhängen?

Hickersberger sagte nach dem 2:0 gegen Chile im Interview: Zitiere Martenstein: „Fussball ist ein Spiegel der Mentalität!“

Diese generelle Aussage zu einer speziellen Situation ist vielleicht unpassend, aber was ist daran wirklich spezifisch östereichisch?

Meine Gedanken zum Artikel haben mir wiederum deutlich gemacht:
Es bedarf mehr als Skifahren in Österreich um die Bewohner einer Gegend zu verstehen und sie nicht als einheitliche „Rasse“ zu betrachten. Wenn man Österreich erleben und kennenlernen will, wäre es vielleicht auch wichtig, die Nationalmannschaft keinesweg als „Spiegel der österreichischen Mentalität“ zu betrachten und diese noch mit der „reichen österreichischen Nation“ zu verknüpfen. Das würden dann einige Österreicher mit der Aussage abtun: „A geh, da Deitsche, der is do nua neidig.“, ohne Generalisierung, eben eine einzelne Meinung, wie jene des Trainers nach einem verlorenen Spiel oder diese, eben Martensteins Meinung in der Zeit.