Votum in Irland

13 06 2008

Wie demokratisch ist eine Gemeinschaft,
wenn ein Land die Entscheidung von 26 anderen Staaten zunichte machen kann?

Die europäische Demokratie funktioniert eben nicht wie ein Nationalstaat.

Sie setzt sich aus einem Parlament, einem Ministerrat von Mitgliedstaaten und einer Kommission zusammen. Die Mitgliedstaaten haben ähnlich einem Bundesrat das föderale Prinzip zu vertreten. Dieses Prinzip ist derartig stark verankert, dass Entscheidungen ständig ausverhandelt werden müssen. Nicht die Größe des Staates, nicht die Einwohnerzahl sondern einzig und allein der Staat an sich repräsentiert eine Stimme. Grundsätzlich finde ich dies sehr gut. Die Union ist eben kein Nationalstaat sondern segelt ähnlich einer Flotte mit dem Wind, in eine gemeinsame Richtung. Der eine etwas schneller, der andere langsamer, je nach Größe, Wind und Raumbedarf. Sie sind kein militärischer Verband, dessen Entscheidungen von einem Schlachtschiff befehligt werden. Diese Konstellation hat sich im bisherigen globalen Gefüge bewährt. `

Welche Entscheidungsprozesse benötigt die Union in Hinkunft?

Diese Frage wird brisant, wenn man die Rohstoffsituation und den Weltmarkt betrachtet. Die Preise werden von Warenterminbörsen diktiert, einzelne mächtige Clans und Cliquen regieren Russlands Rohstoffe und Wirtschaft. China wird von einer Parteienautokratie kommunistischer Provenienz mit kapitalistischen neoliberalen Grundsätzen diktiert. Menschen in Afrika hungern weil an den Börsen die Preise für Mais künstlich steigen.

Ein Milliardär, dessen Gelder durch den Aluminiumhandel am Weltmarkt zusammengeflossen sind, hat den Widerstand gegen die europäische Verfassung in Irland gesteuert. Über das Internet, ein allseits bekannter Antieuropäer aus Österreich, der sich von der Union bezahlen lässt, war mit von der Partie. Eine seltsame Konstellation  die zu denken gibt. Welches Interesse könnte dahinter stecken, wenn jemand versucht, den globalen Markt liberal zu halten? Die Europäische Union hätte die besten Voraussetzungen dem internationalen Markt Grenzen zu setzen, die für eine sozial-liberale Entwicklung notwendig wären. Doch gerade diese Entscheidungen könnten möglicherweise die Prosperität einzelner Besitzender und Rohstoffspekulierer beschränken. Europas Staaten hätten gemeinsam die Macht dem liberalen Handel von Börsenrittern Grenzen zu setzen.

Vielleicht ist dazu keine Verfassung und keine politische Union nötig, die mit Mehrstimmigkeit handelt, sondern eine starke wirtschaftliche Union.
 





Global player, regional payer

28 02 2008

Red Bull in FuschlFuschl ist das Zentrum des „global player“ Red Bull.

Phaenomenal, ja, mir faellt kein anderes Wort ein. Es ist ein Phaenomen, wie man mit sehr, sehr viel Geld Qualität schaffen kann. Der „global player“ ist ein „regional payer“. Ich spreche von Dietrich Mateschitz, Eigentümer von Red Bull, dem Firmenimperium, das regional in Fuschl, und Salzburg eine Rolle spielt.

Sinn fuer das Schöne wird sowohl beim Firmensitz in Fuschl als auch beim  Hangar in  Salzburg sichtbar. Beide Bauwerke strahlen das Besondere aus. Eingebettet in die Seen- und Gebirgslandschaft ruht das Firmenimperium im künstlichen Teich. In Salzburg leuchtet der Glasturm des Nachts über die Industrie- und Flughafenzone von Salzburg.

Schön, wirklich edel ist die Ausstattung des Cafe- Restaurants Carpe Diem in der Getreidegasse. Ich liebe die Fauteuils im ersten Stock und die distanziert-freundliche Wärme der Angestellten. Beim Plauscherl im Vorgarten, die Beine in warme Decken gehüllt, sitzt man auf edlen Möbeln und betrachtet den Durchzug der Touristen in der Getreidegasse. Nicht nur im Internet auch in der Ausstattung des Lokals wird das Edle sichtbar. Die Rundung der Teetasse, die einfache Farbe und die mehrmals gefalteten Handtücher in der eleganten Damentoilette sind genial.

Dabei denke ich an die Zeit der absolutistischen Herrschaft in Salzburg. Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau ließ 40 Häuser schleifen, um seinen Dom bauen zu können. Später wurde er in die Festung verbannt, vom eigenen Neffen, Erzbischof Markus Sittikus. Die Jahre in der Verbannung wünsche ich Dietrich Mateschitz nicht und die Demokratie kennt auch wesentlich geschicktere Schachzüge um zu absoluten Zielen zu gelangen. Die Vertreter des Geldadels verbünden sich mit dem Politadel und gelangen auf diese Weise zu gemeinsamen Ergebnissen, die wiederum zu erstklassigen Gebäuden führen. Grundstücke in Fuschl werden zu guten Preisen den Eigentümern abgekauft um ein architektonisch einheitliches Bild schaffen zu können.

Auf diese Weise entstehen Jahrhundertbauten.

Ich habe von von Ignoranz geprägten, langweiligen und übertrieben geschmacklosen Massebauten der Versicherungen und Banken die Nase voll. Es tut wirklich gut, Formen und Materialien in Einheit vollendet, zu fühlen. Was der Dom an geistiger Energie vermittelt, ist das Wasser in der Red Bull Zentrale in Fuschl am See oder die enorme Höhe und Luft im Hangar.

Regional payers mit Stil und Sinn fuer das Schoene;





Hallo Welt!

24 02 2008

Die erste Nachricht nach dem Einrichten des Blogs beginnt mit der Begrüssung: Hallo Welt“, das ausgezeichnet zur Absicht meines Blogs passt. Ich will Bekanntes und Unbekanntes verknüpfen und Erkenntnisse daraus ziehen.





Schengen

24 02 2008

Am 1. April 1998 spazierten Kinder aus Bayern und Salzburg lachend und singend über die Brücke von Oberndorf nach Laufen und wieder zurück. Ein sonniger Vormittag wurde mit einem Lied vor der Stille Nacht Kapelle gemeinsam abgeschlossen. Die Grenze zwischen Bayern und Salzburg, über Jahrtausende streng gehütet, in manchen Jahrhunderten leicht von hier nach da verschoben, war Vergangenheit geworden.

Am Flussufer der Saalach, die einige Kilometer entfernt, flussaufwärts in die Salzach mündet, stand bis zu jenen Tagen eine Tafel mit folgender Aufschrift:

VORSICHT STAATSGRENZE FLUSSMITTE

Mit wenigen Ausnahmen, wie die Besuche ausländischer Staatsoberhäupter oder Weltmeisterschaften und EURO 2008 sowie eine Fahndung nach besonders gefährlich eingestuften „Personen“ bleibt die Grenze offen. Nein, es gibt sie nicht mehr, die bayerisch-salzburgische die Gebäude sind leer oder bereits verkauft, in Industriegelände umgewidmet und bestens genutzt. Sogar ein Museum soll anstelle eines Grenzübergangs in Tirol die Menschen erfreuen, aus Mitteln der Europäischen Union gefördert.

Heute, am 21. Dezember 2007 ist es wieder soweit.

Eine Grenze, die wiederum seit Jahrtausenden, Menschen in Kategorien wie östliche und westliche  Bewohner presste, fällt heute. Real, nicht in den Köpfen der Menschen. Dort ist die bayerisch-salzburgische Grenze auch noch vorhanden.

Ungarn, ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Union? Keine Grenzzäune, keine Wachtürme, ohne Patrouillen, es war unvorstellbar, in den Jahren vor 1989, wenn man die Salami billig in Sopron kaufte.

Als der eiserne Vorhang im August 1989 zum ersten Mal von zwei mutigen Politikern und einem Häuflein tapferer Menschen durchschnitten wurde, rollten Tränen über meine Wangen. Die Menschen, die in der Botschaft von Budapest ausgeharrt hatten, erfüllten für Millionen Menschen einen Traum von Freiheit. Im Geographieunterricht fragten die Schüler ob jetzt die Zahnärzte arbeitslos werden würden, weil sich alle Österreicher die Zähne am Plattensee im Urlaub verkronen oder vergolden lassen würden. „Nein, das wird nicht passieren, eine neue Welt tut sich für uns auf!“ Es dauerte Jahre bis in den Medien von einzelnen Ländern gesprochen wurde und nicht vom Osten, von den kommunistischen Ländern oder gar vom Ostblock. In Österreich hieß die Erweiterung immer die Osterweiterung obwohl der offizielle Begiff „Enlargement“ längst politically der korrektere gewesen wäre.

Was blieb von der Freiheit für etwas und von etwas?

Im Jahr 2005 gestalteten wir ein Europäisches Jugendworkshop für hochbegabte Kinder in Salzburg.  Einige der Jugendlichen aus Polen, Tschechien, Österreich, Slowakei, Slowenien feierten im August ihren 16. Geburtstag und ich fragte sie, ob sie wüssten, welch revolutionäres Geburtsjahr sie sich ausgesucht hätten. Ratlose Gesichter schauten mich an.

 „Was, wie, Revolution? Wir hatten keine Revolution. Die Kommunisten wurden 1989 abgewählt, ja das haben wir gelernt.“
Ich überlegte:

„Wenn Politik und Zeitzeugnis Geschichte wird, bestimmen Bestimmte was geschehen war.“

Nun vielleicht war es keine Revolution, nur ein Aufstand Millionen von Menschen in Polen, Ostdeutschland, Ungarn, Tschechien, Slowakei und Slowenien, der zum Sturz eines totalitären, wirtschaftlichen und politischen Systems geführt hatten. Dabei muss ich Menschen der baltischen Staaten und Rumänien erwähnen, die zusätzliche Herausforderungen zu bewältigen hatten.

Was ist von dieser Öffnung in den Köpfen der Menschen geblieben?

Wo liegt heute das Problem?

Das kapitalistische System des Westens hat unendlich viele Mängel, der Konsum macht die Menschen krank und als Ökonomin wage ich zu behaupten, dass der Materialismus die Menschen regiert und die Politik  hoffnungslos in Angebot und Nachfrage als gedankliches Modell verstrickt ist. Ein einziges Dogma beherrsch die Welt, welches in dieser Form für alle Menschen in allen Staaten nicht verwirklichbar ist. Daher ist es höchst an der Zeit neue Modelle des Denkens und Wissens zu entwickeln.

Angesichts der Grenzöffnung mit dem schönen Namen des kleinen belgischen Ortes „Schengen“ fühle ich wieder die Freude und Aufbruchstimmung von damals.

Ich begann 1992 in jenen Ländern mit voller finanzieller und personeller Unterstützung des österreichischen Unterrichtsministeriums, Lehrer und Lehrerinnen der Fremdsprache Russisch, die arbeitslos geworden waren, auf Deutsch als Fremdsprache umzuschulen. Mit Kolleginnen und Kollegen der beruflichen Bildung wurden Fachkurse entwickelt, Schneiderinnen in den Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe auf die Exaktheit der Schnitttechnik eingeschworen und Elektrotechniker mussten die  Normen des Westens kennen lernen.

Ich spüre wieder die Freude, als zum ersten Mal in der Tourismusschule Klaipeda an der Ostsee ein Mittagessen serviert wurde. Servieren, Dienen war in kommunistischen Tagen verpönt, der Gast suchte sich anhand von Plastikmodellen eine Speise aus und holte sich diese an einem Tresen. In unzähligen Seminaren hatten Lehrerinnen aus Litauen in Salzburg an der Tourismusschule zumeist durch Zusehen und Nachmachen gepflegtes Service gelernt. Es war nicht genug Geld für Dolmetscher vorhanden. Und es fehlten dieFachkräfte, die Litauisch in Deutsch und umgekehrt dolmetschen konnten. Heute ist diese Schule ein Modell für die Berufsbildung in Litauen. Der Erfolg ist auf den Fleiß, Einsatz und die Freude der dort tätigen Lehrerinnen und Lehrer zurück zu führen. Diese Freude hat mich in den vergangenen Jahren durch bürokratische Hürden und Probleme getragen und mir den Sinn meiner Arbeit vor Augen geführt.

Und was ist nun mit dem 21. Dezember 2007?

Dieser Tag gibt mir wiederum die Kraft für die nächsten Projekte.  Mit Kolleg/Innen, die inzwischen zu Freunden geworden sind, an anderen Herausforderungen unserer globalen Welt arbeiten. Die Heranführung des Westbalkans an Europa steht wahrlich vor der Tür.
Unstimmigkeiten mit der Türkei bestimmen die Alltagsmedien und  Probleme der kaukasischen Region werden nicht geringer. Mehr Wissen, voneinander erfahren und Zusammenhänge feststellen, ist die Aufgabe heutiger internationaler Bildung. Nicht der Export des bereits angefaulten Kapitalismus ist gefordert, sondern Neues.

Nicht zuletzt das Auseinanderdriften der Ansichten einer US amerikanischen Regierung und einiger europäischer Staaten sowie die wirtschaftliche und politische Entwicklung Russlands sind weite Wissensfelder für engagierte Menschen, egal welchen Alters.
Mit Sicherheit kann ich am heutigen Tag versprechen, dass ich der Sicherheit und dem globalen Wissen darum einige Einträge widmen werde.

Der Tag der „kleinen Revolution einer Grenzöffnung“ macht sicher.