Warum Lukas Podolski keinen Jubel zeigte….

9 06 2008

Auf 22 Seiten überschütten sich die Kommentarschreiber mit gegenseitigen Zurechtweisungen zum Artikel über Lukas Podolski, dem Torschützen des Auftaktspiels Polen gegen Deutschland. Interessanterweise analysieren sie nicht das Spiel und geben keine postkreativen Ratschläge zur Technik, nein es hagelt Hinweise zur Geschichte Schlesiens. Podolski war in Gliwice im Jahr 1985 geboren, in jenem Jahrzehnt, als in Polen aufgrund der allgemeinen Not der Bevölkerung der Untergang des Kommunismus vorbereitet wurde.

Mich erinnert das Wort Gliwice noch zusätzlich an einen fingierten Kriegsausbruch und wer die Geschichte deutschsprachiger Schlesier bemüht, kann an der neueren deutschen Geschichte nicht wortlos vorüber ziehen.

Als ich gestern das Interview von Lukas Podolski nach dem Spiel hörte, war ich überrascht und erfreut. Er meinte sinngemäß: „Er hätte über seinen Erfolg nicht gejubelt, da er doch aus Polen stamme und sie eine große Familie hätten, die in Polen lebt…“  Die, wie ich im Artikel nachlese, zahlreich unter den Zusehern vertreten waren. Kein Wort von Herkunft, Heimat oder Staatsbürgerschaft, simpler Respekt vor den Gefühlen der Fans der gegnerischen Mannschaft.


Sehr glaubwürdig erteilte er, der Fussballspieler allen nachfolgenden Presseleuten eine Lehre. Wir haben Fussball gespielt und gewonnen, das war es und nicht mehr. Keine Politik, keine Rasse, keine historische Herkunft, sondern ein Spiel das von den Spielern, Training, Talent und Ausdauer fordert und mit einer kleinen Portion Glück in einen Sieg verwandelt werden kann.Interpretationen, welche durch Flaggen und Staatsbürgerschaften künstliche, nationale Zugehörigkeiten schaffen, die sich mittels Sprache und Kultur definieren, sind Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und eigentlich überholt. Vielmehr, sollten überholt sein. Mittlerweile müssten daraus rechtsstaatliche Gemeinschaften geworden sein, die wirtschaftliche Interessen vertreten, Steuern verwalten und die sich zu einheitlichen, rechtsstaatlichen Normen bekennen. Das verbinde ich mit staatlicher Zugehörigkeit und dem Reisepass, der dies dokumentiert. Manchmal gehört dazu die Geburt, der Herkunftsort und die ersten Jahre des Lebens, die doch als Ort des emotionalen Lernens einen hohen Stellenwert haben. Manchmal spielt die Herkunft der Eltern und deren Zugehörigkeit eine Rolle. Identifikationen, die mich nicht als gruppenzugehörig auszeichnen, ausser in stammes- und großfamilienorientierten Gesellschaften.  Nationale Zuschreibungen haben im Spiel, das vom gegenseitigen Respekt gekennzeichnet sein soll, was doch auch durch den Tausch der Leiberl am Ende eines Spiels dokumentiert wird, absolut nichts zu suchen.

Man achtet sich gegenseitig und betrachtet den anderen nicht als politisch motivierten, nationalen Feind. Dies wird nur durch Aufmacher in den Medien und Menschen, welche sich ohne Gruppenzugehörigkeit nackt und hilflos fühlen, gespeist. Die Redakteure und Journalisten treiben das Unwesen weiter, indem sie immer wieder, wie Blöde, in dasselbe Hörnchen blasen.

Die Zeitschrift Fakt und Bild haben denselben Eigentümer, den Axel Springer Verlag, ein globales Unternehmen. Medien, die kübelweise nationalen Mist über ihre Leser ausschütten und üble Stimmung zwischen den nicht mehr real vorhandenen Grenzen machen. Dieses menschenverachtende, auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtete Schreiben hat mit Pressefreiheit schon lange nichts mehr zu tun. Es gehört zur Rubrik Polemik und steht den Lügen, die den Beginn des zweiten Weltkriegs markieren viel näher als wir ahnen. Die Europäische Union, als global player ist hier gefordert und nationale Regierungschefs müssten bereits der Europäischen Kommission den Auftrag zu einem Weißbuch über Medien, Pressefreiheit und überregionale, nationale und europäische Kommunikation geben. In vielen Köpfen herrschen Grenzen, die vom Glauben an das einfache Wort genährt werden. Weil es doch so einfach ist, zu glauben, dass alle Menschen so denken.  „DIE Polen“ wollen „DIE Deutschen“ besiegen und alle Menschen sind mit formaler Gruppenzugehörigkeit emotional zu ködern. Mein man in den Redaktionen der Printmedien und Fernsehanstalten, dabei ist die Rechnung eine gefährliche, weil sie an tierischen Stumpfsinn appelliert.

„Wir haben Fussball gespielt“, eine lakonische Antwort. Auch kurz und vor allem richtig. Dabei gibt es zwei Mannschaften, die durch verschiedenfärbige Trikots erkennbar sind und durch zwei Tore, die sich gegenüberstehen, Besitzverhältnisse anzeigen. Dazu gibt es einige Regeln, etwas mehr als durchschnittliche Kondition und wer mehr hinein interpretiert,tut es absichtlich.

 

 

 

 

 

 





Langsamste Fussballmannschaft der Welt

3 03 2008

„Harald Martenstein schüttelt den Kopf über die langsamste Fussballmannschaft der Welt!“ konnte man Ende Dezember im Zeit Magazin Leben lesen.  Neuerdings werden glücklicherweise nicht nur die Schnellsten sondern auch die Langsamsten im Fussball hervorgehoben, ein neues Zeitalter des Messens hat begonnen.

In der Einleitung schreibt Martenstein, nichts gegen die Österreicher haben zu dürfen, da er doch seit vielen Jahren in Österreich Ski fahre. Ein weiterer Grund für den Respekt gegenüber Österreich wäre jener, gegenüber einer reichen Nation mit reicher Kultur. Spätestens hier muss jede gelernte Österreicherin oder Österreicher aufmerksam werden. Denn normalerweise folgt auf derartig fadenscheiniges Lob Kritik und die nächsten Zeilen bringen Licht in die Sache:

„Warum ist Österreich so schlecht im Fussball?“

Nun ist es raus, und wird einige Zeilen wiederholt bestätigt.  Österreich hat die langsamsten Fussballer der Welt, weiß Martenstein zu berichten.

Über das Tempo der nationalen  österreichischen Fussballer habe ich noch nie nachgedacht, ehrlich. Über die Worte von Martenstein muss ich nachdenken und mich dabei fragen: Sind sie rassistisch oder national gefärbt?“ ; wenn er folgendes schreibt:

Jetzt muss man sich nur mal vorstellen, jemand würde behaupten, dass gelbe oder schwarze Menschen zu irgendetwas ungeeignet sind, meinetwegen zum Schachspielen, wegen ihrer ´Mentalität`. Das gäbe sofort eine Rassismusdiskussion von kosmischen Ausmaß. Die Österreicher sind das erste Volk der Erde, das gegen sich selber rassistische Beschuldigungen ausstößt, nur aus Bequemlichkeit, nur damit sie sich beim Fussball nicht schneller bewegen müssen.“ (aus Zeit Magazin Leben vom Dezember 2007)

Was hatte der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft gesagt, dass Martenstein veranlasste, die Österreicher als Rasse zusammen zu fassen und die Aussage eines Nationaltrainers allen Österreicherinnen und Österreichern umzuhängen?

Hickersberger sagte nach dem 2:0 gegen Chile im Interview: Zitiere Martenstein: „Fussball ist ein Spiegel der Mentalität!“

Diese generelle Aussage zu einer speziellen Situation ist vielleicht unpassend, aber was ist daran wirklich spezifisch östereichisch?

Meine Gedanken zum Artikel haben mir wiederum deutlich gemacht:
Es bedarf mehr als Skifahren in Österreich um die Bewohner einer Gegend zu verstehen und sie nicht als einheitliche „Rasse“ zu betrachten. Wenn man Österreich erleben und kennenlernen will, wäre es vielleicht auch wichtig, die Nationalmannschaft keinesweg als „Spiegel der österreichischen Mentalität“ zu betrachten und diese noch mit der „reichen österreichischen Nation“ zu verknüpfen. Das würden dann einige Österreicher mit der Aussage abtun: „A geh, da Deitsche, der is do nua neidig.“, ohne Generalisierung, eben eine einzelne Meinung, wie jene des Trainers nach einem verlorenen Spiel oder diese, eben Martensteins Meinung in der Zeit.