Sozialpolitik ist national und nicht europäisch!

6 08 2008

Die demografische Entwicklung in Europa gibt uns zu denken.
Aufgrund des enormen Wohlstands, der sich, glücklicherweise,
in den vergangenen fünfzig Jahren entwickelt hat, stieg die Lebenserwartung,
die Fruchtbarkeitsrate ging zurück und die Menschen bleiben länger gesund.

Gleichzeitig wurde mittels längeren Urlaubsansprüchen, kürzeren Wochenarbeitszeiten, Karenzurlaub, Mutterschutz, Feiertagen und früheren Pensionsanspruch die Arbeitszeit reduziert. Das Zusammenspiel beider Faktoren, kürzer arbeiten und länger, gesünder leben, führt zu dem paradoxen Begriff der „Sandwichgeneration“ der 35 bis 60 jährigen.

Beim Sommergespräch von Sozialminister Erwin Buchinger am Samstag, dem 2. August im Schloss Leopoldskron zum Sozialen Europa 2008 informierte Prof. Bernd Marin, Leiter des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtsforschung über theoretisch-statistische Aspekte und von internationalen Sozialpolitiker/innen gab es ergänzende Anmerkungen.

Was ist besonders paradox an der derzeitigen Sozialdebatte?

Männer verbringen weniger Zeit mit bezahlter Erwerbsarbeit als Frauen mit unbezahlter Gesellschaftsarbeit.

In wenigen Jahren sind die Frauen am Arbeitsmarkt unbedingt notwendig, da die Arbeitsangebote höher werden und zuwenig Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Die Aufgaben der Partnerschaft, die Hausarbeit und die Kinderpflege werden professionalisiert, es entstehen neue Arbeitsplätze, die wiederum besteuert werden, woraus wieder soziale Kosten für Menschen mit geringeren Einkünften finanziert werden.

Die Professionalisierung der Pflege führt zur Unbezahlbarkeit des Anspruches der zu Betreuenden.

Angeblich leben nur 14% aller älteren und alten Menschen in Senioren- oder Pflegeheimen. Das bedeutet doch, dass 86% alt werden, ohne die öffentlichen Einrichtungen zu brauchen. Gibt es Möglichkeiten, seelisch und körperlich, die Gesundheit immer wieder soweit zu stabilisieren, dass wir alt werden können, ohne den „Sandwiches“ dauernd auf der Tasche zu liegen? Ist die professionelle Pflege für alle Schritte des Älterwerdens notwendig?

Das offene Koordinierungsverfahren für eine „europäische Sozialpolitik“ wird aus nationalen protektionistischen Interessen, von den anwesenden Sozialpolitikern als das ideale Verfahren verteidigt.

Die Sozialpolitik belastet zwar die nationalen Budgets, gleichzeitig sind sie die einzigen „Wahlzuckerl“, die verteilt, bzw. versprochen werden können. Die Instrumente der Pensions-, Kranken-, Arbeitspolitik sind für eine einheitliche, vergemeinschaftete EU -Politik völlig ungeeignet. Die Umverteilung zwischen reichen und ärmeren Staaten, wohlhabenderen und ärmeren Regionen wäre derartig groß, dass es wahrscheinlich zu Aufständen und Demonstrationen führen würde. Gleichzeitig müsste eine einheitliche Steuerpolitik anvisiert werden, die derzeit nicht einmal andiskutiert werden darf. Wenn eine österreichische Tageszeitung ständig Leserbriefe veröffentlicht, die eine sozialere EU fordern, kommt dies einer Vertiefung der Union, einer Vereinheitlichung von Rechten und Pflichten gleich. Gleichzeitig werden Austritte aus der Gemeinschaft gefordert und die EU als Gespenst dargestellt. Das gibt zu denken, wenn man bedenkt, wogegen polemisiert wird.

Wenn wir soziale Leistungen europäisieren, müssten wir von jedem Land das Beste fordern. Dann würden wir in Schweden die Pension erwerben, in Österreich die Krankheiten behandeln, auch hier gepflegt werden und in den polnischen Masuren leben. Die Versicherungsleistungen mitnehmen, die Jahre ohne Erwerbsarbeit in billigeren Ländern verbringen. Unsere „Sandwichjahre“, also jene, in denen wir aktiv produzieren, hingegen, müssten idealerweise in Hochlohnländern verbracht werden. Die Union fährt die Waren, je nach Kosten der Produktion und Förderzuschüssen quer durch Europa, bzw. die Welt. In Hinkunft transferieren wir Sozialleistungen, die ebenso viel Wertschöpfung darstellen, quer durch Europa. Damit dies nicht passiert, bleiben wir bei den national, verantworteten Sozialsystemen und schieben dem „freien Sozialverkehr“ einen Riegel vor.

Erhard Busek meinte in seinem Diskussionsbeitrag, er sei bestensfalls das bereits „ältere Brötchen“ des Sandwich. Das verleidet mir die Vorstellung, Sandwichinhalt zu sein und verringert die Motivation über Lösungen nach zu denken.

Bleibt nur noch das persönliche Resumee – kürzer leben, gesünder bleiben und hoffentlich nicht gepflegt werden müssen.

„Geld kann man nicht essen“, meinte der Europäische Kommissar für Sozialpolitik, Vladimir Spidla. Das bringt mich auf den Gedanken, heutige, wirtschaftliche Erfolge rechtzeitig in soziale Beziehen investieren, die mir vielleicht das Altern ermöglichen.

Das Gespräch fand im Schloss Leopoldskron, der Heimstätte von Max Reinhardt, aus der er 1938 vertrieben wurde, statt. Ursprünglich von Erzbischof Firmian als Sommerresidenz erbaut, wird das Schloss seit der amerikanischen Besatzungszeit als US amerikanische Bildungeinrichtung für globale Themenstellungen verwendet.





Votum in Irland

13 06 2008

Wie demokratisch ist eine Gemeinschaft,
wenn ein Land die Entscheidung von 26 anderen Staaten zunichte machen kann?

Die europäische Demokratie funktioniert eben nicht wie ein Nationalstaat.

Sie setzt sich aus einem Parlament, einem Ministerrat von Mitgliedstaaten und einer Kommission zusammen. Die Mitgliedstaaten haben ähnlich einem Bundesrat das föderale Prinzip zu vertreten. Dieses Prinzip ist derartig stark verankert, dass Entscheidungen ständig ausverhandelt werden müssen. Nicht die Größe des Staates, nicht die Einwohnerzahl sondern einzig und allein der Staat an sich repräsentiert eine Stimme. Grundsätzlich finde ich dies sehr gut. Die Union ist eben kein Nationalstaat sondern segelt ähnlich einer Flotte mit dem Wind, in eine gemeinsame Richtung. Der eine etwas schneller, der andere langsamer, je nach Größe, Wind und Raumbedarf. Sie sind kein militärischer Verband, dessen Entscheidungen von einem Schlachtschiff befehligt werden. Diese Konstellation hat sich im bisherigen globalen Gefüge bewährt. `

Welche Entscheidungsprozesse benötigt die Union in Hinkunft?

Diese Frage wird brisant, wenn man die Rohstoffsituation und den Weltmarkt betrachtet. Die Preise werden von Warenterminbörsen diktiert, einzelne mächtige Clans und Cliquen regieren Russlands Rohstoffe und Wirtschaft. China wird von einer Parteienautokratie kommunistischer Provenienz mit kapitalistischen neoliberalen Grundsätzen diktiert. Menschen in Afrika hungern weil an den Börsen die Preise für Mais künstlich steigen.

Ein Milliardär, dessen Gelder durch den Aluminiumhandel am Weltmarkt zusammengeflossen sind, hat den Widerstand gegen die europäische Verfassung in Irland gesteuert. Über das Internet, ein allseits bekannter Antieuropäer aus Österreich, der sich von der Union bezahlen lässt, war mit von der Partie. Eine seltsame Konstellation  die zu denken gibt. Welches Interesse könnte dahinter stecken, wenn jemand versucht, den globalen Markt liberal zu halten? Die Europäische Union hätte die besten Voraussetzungen dem internationalen Markt Grenzen zu setzen, die für eine sozial-liberale Entwicklung notwendig wären. Doch gerade diese Entscheidungen könnten möglicherweise die Prosperität einzelner Besitzender und Rohstoffspekulierer beschränken. Europas Staaten hätten gemeinsam die Macht dem liberalen Handel von Börsenrittern Grenzen zu setzen.

Vielleicht ist dazu keine Verfassung und keine politische Union nötig, die mit Mehrstimmigkeit handelt, sondern eine starke wirtschaftliche Union.
 





Warum Lukas Podolski keinen Jubel zeigte….

9 06 2008

Auf 22 Seiten überschütten sich die Kommentarschreiber mit gegenseitigen Zurechtweisungen zum Artikel über Lukas Podolski, dem Torschützen des Auftaktspiels Polen gegen Deutschland. Interessanterweise analysieren sie nicht das Spiel und geben keine postkreativen Ratschläge zur Technik, nein es hagelt Hinweise zur Geschichte Schlesiens. Podolski war in Gliwice im Jahr 1985 geboren, in jenem Jahrzehnt, als in Polen aufgrund der allgemeinen Not der Bevölkerung der Untergang des Kommunismus vorbereitet wurde.

Mich erinnert das Wort Gliwice noch zusätzlich an einen fingierten Kriegsausbruch und wer die Geschichte deutschsprachiger Schlesier bemüht, kann an der neueren deutschen Geschichte nicht wortlos vorüber ziehen.

Als ich gestern das Interview von Lukas Podolski nach dem Spiel hörte, war ich überrascht und erfreut. Er meinte sinngemäß: „Er hätte über seinen Erfolg nicht gejubelt, da er doch aus Polen stamme und sie eine große Familie hätten, die in Polen lebt…“  Die, wie ich im Artikel nachlese, zahlreich unter den Zusehern vertreten waren. Kein Wort von Herkunft, Heimat oder Staatsbürgerschaft, simpler Respekt vor den Gefühlen der Fans der gegnerischen Mannschaft.


Sehr glaubwürdig erteilte er, der Fussballspieler allen nachfolgenden Presseleuten eine Lehre. Wir haben Fussball gespielt und gewonnen, das war es und nicht mehr. Keine Politik, keine Rasse, keine historische Herkunft, sondern ein Spiel das von den Spielern, Training, Talent und Ausdauer fordert und mit einer kleinen Portion Glück in einen Sieg verwandelt werden kann.Interpretationen, welche durch Flaggen und Staatsbürgerschaften künstliche, nationale Zugehörigkeiten schaffen, die sich mittels Sprache und Kultur definieren, sind Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und eigentlich überholt. Vielmehr, sollten überholt sein. Mittlerweile müssten daraus rechtsstaatliche Gemeinschaften geworden sein, die wirtschaftliche Interessen vertreten, Steuern verwalten und die sich zu einheitlichen, rechtsstaatlichen Normen bekennen. Das verbinde ich mit staatlicher Zugehörigkeit und dem Reisepass, der dies dokumentiert. Manchmal gehört dazu die Geburt, der Herkunftsort und die ersten Jahre des Lebens, die doch als Ort des emotionalen Lernens einen hohen Stellenwert haben. Manchmal spielt die Herkunft der Eltern und deren Zugehörigkeit eine Rolle. Identifikationen, die mich nicht als gruppenzugehörig auszeichnen, ausser in stammes- und großfamilienorientierten Gesellschaften.  Nationale Zuschreibungen haben im Spiel, das vom gegenseitigen Respekt gekennzeichnet sein soll, was doch auch durch den Tausch der Leiberl am Ende eines Spiels dokumentiert wird, absolut nichts zu suchen.

Man achtet sich gegenseitig und betrachtet den anderen nicht als politisch motivierten, nationalen Feind. Dies wird nur durch Aufmacher in den Medien und Menschen, welche sich ohne Gruppenzugehörigkeit nackt und hilflos fühlen, gespeist. Die Redakteure und Journalisten treiben das Unwesen weiter, indem sie immer wieder, wie Blöde, in dasselbe Hörnchen blasen.

Die Zeitschrift Fakt und Bild haben denselben Eigentümer, den Axel Springer Verlag, ein globales Unternehmen. Medien, die kübelweise nationalen Mist über ihre Leser ausschütten und üble Stimmung zwischen den nicht mehr real vorhandenen Grenzen machen. Dieses menschenverachtende, auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtete Schreiben hat mit Pressefreiheit schon lange nichts mehr zu tun. Es gehört zur Rubrik Polemik und steht den Lügen, die den Beginn des zweiten Weltkriegs markieren viel näher als wir ahnen. Die Europäische Union, als global player ist hier gefordert und nationale Regierungschefs müssten bereits der Europäischen Kommission den Auftrag zu einem Weißbuch über Medien, Pressefreiheit und überregionale, nationale und europäische Kommunikation geben. In vielen Köpfen herrschen Grenzen, die vom Glauben an das einfache Wort genährt werden. Weil es doch so einfach ist, zu glauben, dass alle Menschen so denken.  „DIE Polen“ wollen „DIE Deutschen“ besiegen und alle Menschen sind mit formaler Gruppenzugehörigkeit emotional zu ködern. Mein man in den Redaktionen der Printmedien und Fernsehanstalten, dabei ist die Rechnung eine gefährliche, weil sie an tierischen Stumpfsinn appelliert.

„Wir haben Fussball gespielt“, eine lakonische Antwort. Auch kurz und vor allem richtig. Dabei gibt es zwei Mannschaften, die durch verschiedenfärbige Trikots erkennbar sind und durch zwei Tore, die sich gegenüberstehen, Besitzverhältnisse anzeigen. Dazu gibt es einige Regeln, etwas mehr als durchschnittliche Kondition und wer mehr hinein interpretiert,tut es absichtlich.

 

 

 

 

 

 





globales wissen

23 03 2008

Ich würde vielleicht nicht mehr leben oder blind sein, wenn Wissen nur national, regional oder lokal von einzelnen Personen gewusst und verwendet werden würde. Die Forschung und Entwicklung in der Medizin ist global/er geworden, die MRT und die CT wurde nicht nur in einem Staat, von einer Person erfunden sondern beruht auf interdisziplinären Forschungsschritten. Und die MRT und CT hat mir großen Nutzen gebracht. Globalisierung als abstrakter Begriff wird unter anderem begreifbar, wenn einzelne Lebensbereiche auf der Basis einer zufällig ausgewählten Definition intensiver betrachtet werden.

 Eine Definition von Globalisierung lautet
 „… Intensivierng weltweiter sozialer Beziehungen, durch die entfernte Orte in solcher Weise miteinander verbunden werden, dass Ereignisse am einen Ort durch Vorgänge geprägt werden, die sich an einem viele Kilometer entfernten Ort abspielen, und umgekehrt …“ [Anthony Giddens, Berater von Tony Blair, Ende 1990)

 Die Forschung und Entwicklung der Computertomografie und Magnetresonanztomografie war ein weltweites soziales Netz, wohl eher zufällig geknüpft und über das Thema verbunden. Ich habe keine Ahnung ob die Entwicklung über Wettbewerb oder Kooperation zustande kam. Wahrscheinlich beides.

 aus Wikipedia:

Die Computertomographie wurde möglich durch die Nutzung des mathematischen Verfahrens, das 1917 von dem österreichischen Mathematiker Johann Radon entwickelt wurde. Damals ein rein mathematischer Erkenntnisgewinn fern jeglicher Anwendungsmöglichkeiten, bildet die Radontransformation heute die Grundlage zur Berechnung von zerstörungsfreien räumlichen Aufnahmen eines Objektes mit seinen gesamten Innenstrukturen. Nach Vorarbeiten des Physikers Allan M. Cormack in den 1960er Jahren realisierte der Elektrotechniker Godfrey Hounsfield mehrere Prototypen. Die erste CT-Aufnahme wurde 1971 an einem Menschen vorgenommen. Beide erhielten für ihre Arbeiten 1979 gemeinsam den Nobelpreis in Medizin. aus Wikipedia Die MRT wurde als bildgebende NMR ab 1973 vor allem von Paul C. Lauterbur mit wesentlichen Beiträgen von Sir Peter Mansfield entwickelt. Sie erhielten dafür 2003 gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Paul Lauterbur (USA) hatte zwei grundlegende Ideen, die eine Bildgebung auf der Grundlage der NMR erst möglich machte. Erstens gelang es ihm mit der Einführung von magnetischen Gradientenfeldern in das konventionelle NMR-Experiment, eine räumliche Zuordnung der NMR-Signale einer Probe zu erreichen. Und zweitens schlug er ein Verfahren vor, bei dem durch Rotation des ortskodierenden Magnetfeldgradienten in aufeinanderfolgenden Experimenten unterschiedliche Ortskodierungen (Projektionen) des Untersuchungsobjektes erzielt wurden, aus denen anschließend mit Hilfe der gefilterten Rückprojektion (engl., filtered backprojection) ein Abbild des Untersuchungsobjektes errechnet werden konnte. Sein 1973 publiziertes Ergebnis zeigt eine zweidimensionale Abbildung von zwei mit normalem Wasser gefüllten Röhrchen in einer Umgebung aus „schwerem“ Wasser. Für eine praktische Nutzung dieser Entdeckung waren wesentliche Beiträge von Sir Peter Mansfield (Großbritannien) mitentscheidend. Er entwickelte ab 1974 mathematische Verfahren, um die Signale schnell in Bildinformationen zu wandeln sowie Techniken zur schichtselektiven Anregung. Weiterhin führte er 1977 die Verwendung extrem schneller Gradienten für eine Hochgeschwindigkeitsmessung ein (EPI = Echo Planar Imaging). Dadurch wurde eine Bildgewinnung in deutlich unter einer Sekunde möglich („Schnappschuss-Technik“), die jedoch bis heute mit Abstrichen in der Bildqualität erkauft werden muss. Mansfield ist auch die Einführung magnetisch abgeschirmter Gradienten-Spulen zu verdanken. In seinen letzten aktiven Jahren suchte er nach Lösungen, um die erhebliche Lärmbelastung für die Patienten durch die extrem schnelle Gradientenumschaltung zu reduzieren. Weitere, für die breite klinische Nutzung der MRT wichtige Beiträge, stammen aus deutschen Forschungslaboren. In Freiburg entwickelten Jürgen Hennig und Mitarbeiter zu Anfang der 1980er Jahre eine Variante der Spin-Echo MRT, die heute unter der Abkürzung FSE als Fast Spin Echo-Sequenz bekannt ist und wegen ihrer pathologischen Sensitivität und messtechnischen Effizienz allgemein Verwendung findet. 1985 gelang Jens Frahm und Axel Haase in Göttingen mit der Erfindung des Schnellbild-Verfahrens FLASH (fast low angle shot) ein grundsätzlicher Durchbruch in der MRT. Die FLASH-Technik reduzierte die damaligen Messzeiten um bis zu zwei Größenordnungen (Faktor 100) ohne substantielle Verluste an Bildqualität. Das Verfahren ermöglicht zudem ununterbrochene, sequentielle Messungen im dynamischen Gleichgewicht sowie völlig neue klinische Untersuchungen wie beispielsweise Aufnahmen aus dem Bauchraum bei Atem-Anhalten, dynamische Aufnahmen von mit dem EKG synchronisierten Herzfilmen, dreidimensionale Aufnahmen komplexer anatomischer Strukturen, Gefäßdarstellungen mit der MR Angiografie und heute auch funktionelle Kartierungen des Kortex mit besonders hoher Auflösung. Damit war ab Mitte der 1980er Jahre der Weg frei für eine breite Anwendung der MRT in der medizinischen Diagnostik. Umstritten ist der Beitrag von Raymond Damadian (USA), der 1974 ein US-Patent zur Anwendung der NMR für die Krebsdiagnostik angemeldet hat. Das Patent beschrieb allerdings keine Methode zur Bildgebung, sondern nur eine Punktmessung. Dennoch erstritt Damadian mit einem anderen Patent (Mehrschicht-Mehrwinkel-Messungen, z.B. für MRT-Untersuchungen der Wirbelsäule) über 100 Millionen US-Dollar von den verschiedenen MRT-Herstellern. Sein ursprünglicher NMR-Scanner, der keine Bilder erzeugte, wurde klinisch nie eingesetzt, und auch seine Krebsnachweismethode ist nicht frei von Zweifeln. Sie beruht auf Differenzen in den NMR-Relaxationszeiten von gesundem Gewebe und Tumor-Gewebe. Diese von Damadian bereits 1971 publizierte Beobachtung musste allerdings später relativiert werden, da die Unterschiede nicht durchgehend zutreffen. Damadian wurde an der Vergabe des Nobelpreises für die bildgebende NMR (MRT, engl. MRI) nicht beteiligt, worauf er öffentlich heftig protestierte. Eine Operation auf der Basis bildgebender Verfahren: endoskopisch endonasal, transphenoidal Operation von Hypophysenadenom: Conclusions The history of the endoscope is an example of how technical advancements have influenced medicine. The relatively recent technical improvements led to its introduction in the everyday practice of many different specialties. Its use in endonasal skull base neurosurgery appears to hold promise but will need to pass the test of time. As stated by Harvey Cushing[22] at the very beginning of the history of transsphenoidal surgery in 1912, interdisciplinary work is proving once again to be a major component in its development. To quote Cushing, „The performance becomes progressively simplified by the combined suggestion and experience of many.“





Der Bau von Gotteshäusern in Europa

18 03 2008

Seit vielen Monaten verfolgt man Diskussionen über den Bau von Moscheen in Europa in den  Medien. Mein Eindruck, der sich dabei immer mehr verfestigt, ist jener der Verteidigung von Positionen. Stellungnahmen zu einzelnen Begriffen wie Islamophobie werden wesentlich wichtiger erachtet als der einzelne Mensch, der oder die eine Kirche zur Ausübung der Religion besuchen möchte.  Der Bau eines Gotteshauses wird vielmehr politisch als religiös wahrgenommen.

 Das Gesetz über den Bau und Erhalt von Kirchen anderer Religionsgemeinschaften als den Islam wurde in der Türkei (lt.mündlicher Auskunft) geändert. Das neue Gesetz ermöglicht den christlichen und jüdischen Gemeinden den Bau von Gotteshäusern, indem sie als nichtislamische religiöse Gemeinschaften Grundbesitz erwerben dürfen. Die Entwicklung dieses Gesetz und vor allem die praktische Auswirkung gilt es in den nächsten Jahren Schritt für Schritt zu beobachten.

In ähnlicher Weise muss die öffentliche Diskussion um den Bau von Moscheen in Europa betrachtet werden. Welche Bedeutung haben die Grund- und Freiheitsrechte für die Wähler europäischer Demokratien. Ähnlich der Informationsfreiheit existiert auch das Recht zur freien  Ausübung der Religion.

Für einen gläubigen Menschen bedeutet der Besitz und Erhalt eines seiner Rituale entsprechenden Gotteshauses, dies zu achten und zu ehren, gleichzeitig ergeht das Signal an die Gesellschaft sich entsprechend zu verhalten. Anerkennung und eine gemeinsame Verantwortung sind darin enthalten. Mit Sicherheit stellt es die Achtung und den Respekt der Religion in der Öffentlichkeit dar, es ist offen gelebter Glaube, wie es die Demokratie fordert.  In dieser Offenheit können Dialoge auf gleicher Augenhöhe geführt werden.

Der Besuch einer katholischen Messe in Istanbul in einer meiner Lieblingskirchen, Kariye Muezesi die in ein Museum umgestaltet wurde, wäre schön.  Und was würde einer gläubigen Muslimin der Besuch einer Moschee in der Nähe ihrer Wohngegend bedeuten?  

Ein Haus Gottes ist neben der eigentlichen Aufgabe zur Abhaltung von Ritualen und Gebeten ein kulturelles Symbol, häufig ein Kunstwerk und jede Religion offenbart eine Vielzahl von Schätzen an Gotteshäusern.

Häuser Gottes regen die Gemüter an und auf. Sie lassen Bewunderung aufkommen und provozieren. Sie schaffen einen Raum der Stille und Begegnung, sind aesthetisch und schoen.

 Was würde sich ändern, wenn eine Moschee am rechten Salzachufer in der Stadt der Fürsterzbischöfe stehen würde? Und was würden muslimische und katholische Frauen tun? In der Moschee hinter dem Vorhang gemeinsam beten, in Dankbarkeit fuer den Frieden und Wohlstand der dies möglich macht.

Bis es soweit ist, werden noch viele Fragen und Antworten gestellt werden, im ORF.





Neue globale Geste

16 03 2008

Globale Geste

Ein neuer globaler Smile :roll:

Er bedeutet Glueck fuer jene, die in den Fluss fallen und sich beim Ertrinken wohl fuehlen.





Grenzen des guten Geschmacks

16 03 2008

Wolfgang Schüssel, Vorgänger vonAlfred Gusenbauer als Bundeskanzler in Österreich verwendet die Aussage in seinem Vortrag auf die Frage:

Wie gehen Demokratien mit Diktaturen um und wie reagieren Politiker auf abfällige Äusserungen über Symbole und Personen von Religionsgemeinschaften?

Seine Antwort lautete:
„Das Spotten und die Abwertung über Karikaturen von Bildern und Personen, die anderen heilig sind, sei nicht akzeptabel. Er hätte seinerzeit das Buch mit „Jesus Karikaturen“ von Hader zwar künstlerisch ansprechend jedoch geschmacklos empfunden und dasselbe denke er über die Karikaturen des Propheten Mohammed. Weiters seien abfällige Äusserungen zu religiösen Symbolen und Pesonen eine klare Übertretung der Grenze des guten Geschmacks.“

Auf meine Zusatzfrage, wie nun Demokratien mit der Informationsfreiheit umgehen, meinte er,

„das sei wiederum ein Aspekt der Religionsfreiheit, den es zu achten gelte. Und dies gelte auch für Menschen, die keiner Religion angehören.“

Mein Problem bestand lange Zeit darin, eine demokratische Definition von „guten Geschmack“ erarbeiten zu wollen und Regeln für das Einfordern  festzulegen. Gäbe es solche Regeln, wäre  Händeschütteln mit einem Diktator, politische Freundschaft mit einem autoritären Regimevertreter wohl Überschreitung des guten Geschmacks. Ob dieser dann auch geahndet werden kann, bliebe offen.

Ein virtuelles Gespräch führte mich zu dem Punkt, dass eine Festlegung universellen guten Geschmacks aufgrund unterschiedlicher moralischer Standpunkte nicht möglich sind. Wie können wir in einer Demokratie, die von Menschen bewohnt wird, deren ethisches Handeln aus unterschiedlichen moralischen Standpunkten her geleitet wird, guten Geschmack einfordern?

Wo ist diese Grenze  in heutigen Demokratien die als Ansammlung von Individualisten keinen einheitlichen Geschmack bzw. Grundkonsens über Moral kennen. Wer darf in diesen Gesellschaften die Norm festlegen und einfordern und deren Übertretung sanktionieren?

Grund- und Freiheitsrechte stehen auch in Widerspruch zueinander. Der Konsens zur Rechtsdiskussion wäre der demokratische Dialog. Doch wo findet er statt? In den Bundes- und Landesparlamenten, in Gemeindesitzungen, politischen Fraktionen oder im Alltag? Zu welchem Zeitpunkt formulieren Bürger ihre Haltung und Einstellung zu demokratischen Rechten und zur Sanktionierung bei Überschreitung dieser. Seit vielen Jahren kann ich feststellen, dass diese Dialog zunehmend den siamesischen Zwillingen „Medien und Politiker“ überlassen wird. Unglücklicherweise begehen eben diese beiden Gruppierungen auf der Suche nach Stimmen und Quoten andauernd Grenzüberschreitungen. Danach moralisieren sie sich selbst zurecht und versuchen gemeinschaftlich dem Bürger klar zu machen, dass er in erster Linie das Problem der mangelnden Moral hätte.

In Wohlstandsdemokratien ist dies noch ein geringes Problem, da bekanntlich der Mangel an Ressourcen Konflikte gebiert. In Mediendemokratien verschärft sich die Situation, weil durch die öffentliche Meinung die Rechtssetzung beeinflusst wird und dabei Menschengruppen zu mehr oder weniger Wohlstand gelangen können. Diese Ungleichverteilung fördert wiederum soziale Spannungen  und erhöht die Bereitschaft zur Polarisierung. Ein Konflikt schaukelt sich auf, Sprache wird in der Öffentlichkeit schrittweise härter oder verschleiernder, Stereotypen werden von Journalisten zu moralischen Do`s and Dont´s gemacht. Das Gefühl für den sogenannten guten Geschmack wird verlagert oder geht gänzlich verloren. Plötzlich ist es guter Geschmack jemandem auszugrenzen. Durch die Justiz, durch Mobbing oder durch falsche Berichterstattung. Und hier muss die Demokratie beginnen, einzugreifen und die Grenzen des guten Geschmacks, eben auch jener der öffentlichen Meinung definieren.





Nähe und Distanz in der globalisierten Welt

8 03 2008

Uwe Sander, Soziologe und Autor von „Die Bindung der Unverbindlichkeit“ schreibt in seinem Kommentar in der Wienerin über den Mythos der sogenannten heilen Welt unserer Ahnen und verweist diesen Mythos in das Reich der Legenden. Dieses psychologische Gespinst entspräche nicht den historischen Tatsachen.

Die Menschen waren in ihrer Denk- und Handlungsfähigkeit durch tradierte Rollen stark eingeschränkt, was zwar soziale Sicherheit aber wenig Freiraum bedeutet hätte. Diese Entwicklung kann ich nach einem bisherigen beinahe fünfzigjährigem Leben bereits bestätigen. Die Rolle der Frau, welche in meiner Kindheit bestimmend war, würde ich mir nicht herbei wünschen.
Neue Freiheit
Heutzutage lösen sich milieuverhaftete Beziehungsstrukturen zunehmend auf, dadurch erweitert sich unser Rahmen an Möglichkeiten. Ein enormer Gewinn und gleichzeitig die grösste Herausforderung. Anderen Menschen, Nachbarn, Kolleg/innen und Bekannten ist nicht wichtig, welche Überzeugungen ich lebe und wer meine Freunde sind. Ein Mann und eine Frau können sich ohne Rücksicht auf ihren Status oder Herkunft kennenlernen, die Auflösung der Zugehörigkeiten sowie der Geschlechterrollen machen dies möglich. Die Anonymität schützt die Sphäre.

Neue Nähe
Die häufig beklagte Distanz macht den Umgang mit anderen Kulturen erst möglich. Zum pakistanischen Internetcafebetreiber mit den niedrigsten Preisen und zur persischen Verkäuferin, welche die besten Kirschmarmeladen kennt. Mit der rumänischen Friseurin den Alltag besprechen, während sie an den Haaren werkt, ist möglich, ohne über Islam, Terrorismus und Toleranz zu diskutieren. Säkulare Gemeinschaften ermöglichen durch geringere Nähe und Distanz hinsichtlich Religion freundliches Nebeneinander leben.

Bestimmte Formen von Nähe sind eben nur möglich wenn Anonymität herrscht. Diese Form der Globalisierung stellt hohe Ansprüche an private Beziehungen. Mit beachtlicher sozialer und kommunikativer Leistung werden Freundschaften, Partnerschaften, Familien und Ehen über Distanz aufrecht erhalten.

Die Psychologin Charlotte Hetzer meint, dass Nähe in der postmodernen Gesellschaft nicht verloren gegangen ist. Sie konstituiert sich anders. Eben nicht nur durch  physische Anwesenheit sondern über Kommunikation auf Entfernung. Ort und Zeit sind keine einschränkenden Rahmenbedingungen für das Miteinander.





Langsamste Fussballmannschaft der Welt

3 03 2008

„Harald Martenstein schüttelt den Kopf über die langsamste Fussballmannschaft der Welt!“ konnte man Ende Dezember im Zeit Magazin Leben lesen.  Neuerdings werden glücklicherweise nicht nur die Schnellsten sondern auch die Langsamsten im Fussball hervorgehoben, ein neues Zeitalter des Messens hat begonnen.

In der Einleitung schreibt Martenstein, nichts gegen die Österreicher haben zu dürfen, da er doch seit vielen Jahren in Österreich Ski fahre. Ein weiterer Grund für den Respekt gegenüber Österreich wäre jener, gegenüber einer reichen Nation mit reicher Kultur. Spätestens hier muss jede gelernte Österreicherin oder Österreicher aufmerksam werden. Denn normalerweise folgt auf derartig fadenscheiniges Lob Kritik und die nächsten Zeilen bringen Licht in die Sache:

„Warum ist Österreich so schlecht im Fussball?“

Nun ist es raus, und wird einige Zeilen wiederholt bestätigt.  Österreich hat die langsamsten Fussballer der Welt, weiß Martenstein zu berichten.

Über das Tempo der nationalen  österreichischen Fussballer habe ich noch nie nachgedacht, ehrlich. Über die Worte von Martenstein muss ich nachdenken und mich dabei fragen: Sind sie rassistisch oder national gefärbt?“ ; wenn er folgendes schreibt:

Jetzt muss man sich nur mal vorstellen, jemand würde behaupten, dass gelbe oder schwarze Menschen zu irgendetwas ungeeignet sind, meinetwegen zum Schachspielen, wegen ihrer ´Mentalität`. Das gäbe sofort eine Rassismusdiskussion von kosmischen Ausmaß. Die Österreicher sind das erste Volk der Erde, das gegen sich selber rassistische Beschuldigungen ausstößt, nur aus Bequemlichkeit, nur damit sie sich beim Fussball nicht schneller bewegen müssen.“ (aus Zeit Magazin Leben vom Dezember 2007)

Was hatte der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft gesagt, dass Martenstein veranlasste, die Österreicher als Rasse zusammen zu fassen und die Aussage eines Nationaltrainers allen Österreicherinnen und Österreichern umzuhängen?

Hickersberger sagte nach dem 2:0 gegen Chile im Interview: Zitiere Martenstein: „Fussball ist ein Spiegel der Mentalität!“

Diese generelle Aussage zu einer speziellen Situation ist vielleicht unpassend, aber was ist daran wirklich spezifisch östereichisch?

Meine Gedanken zum Artikel haben mir wiederum deutlich gemacht:
Es bedarf mehr als Skifahren in Österreich um die Bewohner einer Gegend zu verstehen und sie nicht als einheitliche „Rasse“ zu betrachten. Wenn man Österreich erleben und kennenlernen will, wäre es vielleicht auch wichtig, die Nationalmannschaft keinesweg als „Spiegel der österreichischen Mentalität“ zu betrachten und diese noch mit der „reichen österreichischen Nation“ zu verknüpfen. Das würden dann einige Österreicher mit der Aussage abtun: „A geh, da Deitsche, der is do nua neidig.“, ohne Generalisierung, eben eine einzelne Meinung, wie jene des Trainers nach einem verlorenen Spiel oder diese, eben Martensteins Meinung in der Zeit.





Das Kreuz mit Kreuzen und Halbmonden

2 03 2008

Die Theatergruppe St. Veit/Pg hat sich im vorjährigen Stück „Verteidigung des Sommers“ von Peter Blaikner mit dem Aufstand der Salzburger Bauern gegen den Erzbischof Burkhard von Weisspriach im Jahr 1462 beschäftigt. Der Erzbischof schlug zurück, die Auflehnung gegen die Herrschaft wurde zurückgeschlagen.

Die Erzählungen der beiden Romane „Die Nothgasse“ und „Der Ochsenkrieg“ schildern auf eindringliche Art, wie soziale Misstände, Ignoranz der Herrschenden und der Einfluss von Aussen die den  Salzburger Erzbischof Bauernkriege herausgefordert hatten. Die Bauernkriege waren auch Religionskriege. Den die Besitzenden waren jene, die damals die katholische Religion repräsentierten. Die evangelische Religion wurde als Befreiung von sozialen Missständen und Auflehnung gegen die Unterdrückung gleichgesetzt.

Erzbischof Guidobald Graf Thun (1654 – 1668) vollendete den Dombau und die Residenz und ließ die Pferdeschwemme am Kapitelplatz erbauen. Diese wunderbaren Bauten und Plätze sichern neben vielen anderen Schönheiten dem säkularen Land den Erwerb von touristischem Kapital. Religion ist in der Stadt Salzburg die Grundlage für ökonomischen Wohlstand.
Graf Thun erwarb als Bischof für den Metropolitanstuhl in Salzburg den Titel „Primas Germaniae“, den Platz als ranghöchsten Bischof im deutschsprachigen Raum. Diese ausserordentliche Stellung machte  seinen Nachfolger Erzbischof Max Gandolf noch ehrgeiziger. Er war für die erste große Protestantenvertreibung verantwortlich als 1000 evangelische Bauern und Bergknappen das Land innerhalb weniger Tage verlassen mussten. Ehrgeizige Pläne ließen keinen Spielraum für soziales oder tolerantes Verhalten.

Einige Flüchtlinge konnten in angrenzenden Ländern Unterschlupf finden, sie versteckten sich auf hochgelegenen Bauernhöfen, andere mussten sich noch viel weiter durchschlagen und viele starben auf der Flucht.

<a href=“http://www.blog.de/srv/media/media_item.php?item_ID=2037900“ title=“Evangelische Kirche in Schladming“><img src=“http://data1.blog.de/media/900/2037900_b4ea0534e4_m.jpg“ alt=“Evangelische Kirche in Schladming“ vspace=“5″ hspace=“5″ /></a>
<blockquote>Die evangelische Kirche von Schladming (Steiermark) könnte vielleicht ein Resultat der Protestantenvertreibung in Salzburg sein.</blockquote>
1803 wurde das „fürsterzbischöfliche Land Salzburg“ säkularisiert.

1997 wurde im litauischen Vilkiskai eine Skulptur zum Gedenken an die wegen ihres Glaubens vertriebenen Protestanten aufgestellt und durch den Landesherrn von Salzburg enthüllt. Eine alte Frau reichte mir mit weinender Stimme die Hand und sagte: „Das ist das erste mal, das wir „verhasste Deutsche“ wertvoll sind.

Ich habe keine Ahnung ob ihre familiäre Herkunft auf eine Flüchtlingswelle der Protestanten zurück zu führen ist. Das ist für mich momentan nicht wichtig. Entscheidend ist, wie Sprache, soziale Stellung, Religion und andere Faktoren ineinander verwoben sind, gesellschaftliche Prozesse und historische Entwicklung prägen.

Eine andere Geschichte

Der Stadtturm von Waidhofen präsentiert auf seiner Fassade einen Teil der Geschichte des Landes.
„Im Jahr 1532 schlugen Bürger, Schmiede und Bauern die Türken in die Flucht und bauten zur Erinnerung diesen Turm“

<a href=“http://www.blog.de/community/profile_photo_sizes.php?item_ID=2037920“ title=“alle Bildgrößen“><img src=“http://data1.blog.de/media/920/2037920_1fd6eee1ee_l.jpg“ height=“768″ width=“1022″ alt=“Waidhofen Stadtturm“ /></a>

Die Türkenbelagerungen vor Wien, die Schlachten um die Grenzen des Habsburgereiches sind im kollektiven Bewusstsein einer Nation vorhanden. Manche  Urteile, die vorausgefasst als richtig erachtet werden, entspringen diesem Bewusstsein.

Nicht wenige Dächer von Waidhofen an der Ybbs werden von einem kleinen Halbmond geschmückt. Iin den dreissiger Jahren war es opportun, zu jenen Familien zu gehören, die tapfer Osmanen in die Flucht geschlagen hatten. Ein freundlicher Mann, der den Rundgang durch die Stadt führte, erzählte dies am Nachmittag einer Gruppe von Menschen.

Im Jahr 2007 findet die Landesausstellung „Feuer und Erde“ in Waidhofen statt. Aus diesem Grund schreibe ich ein nettes, aufrichtig gemeintes Mail an den Bürgermeister der Stadt. Er möge so gut sein, die Aufschrift mit einer Tafel am Fusse des Turms kommentieren. Jeder Torbogen der Renaissance sei erwähnt, jede Fassade erklärt und denselben Wunsch häte ich für „die Türken, eigentlich osmanischen Versorgungstruppen, die in die Flucht geschlagen wurden“. Und da wären noch die Halbmonde zu erwähnen, die aufgrund faschistischer Ideologien und nationalsozialistischem Gedankenguts die Häuser der Stadt zierten.

Ich werde die Stadt wieder besuchen und nachsehen, ob sich etwas verändert hat. Und wiederum ein freundliches Mail schreiben, die Geschichte rekonstruieren und versuchen eine Veränderung zu erreichen. Denn Geschichte wird weiter geschrieben.

Protestanten dürfen in Salzburg leben, ihren Glauben praktizieren und Kirchen bauen. Muslime dürfen in Österreich leben, ihren Glauben praktizieren und sollten auch Moscheen bauen dürfen. Denn, wie gesagt, Geschichte wird weiter geschrieben.